RAMONA WEGELE | BLOG
Heilpraktikerin für Psychotherapie
RAMONA WEGELE | BLOG
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Lesezeit: ca. 6 Minuten
In der modernen Naturheilkunde und Psychotherapie rückt die Verbindung zwischen Ernährung und emotionalem Wohlbefinden immer stärker in den Fokus.
Besonders die Omega-3-Fettsäuren – allen voran EPA und DHA – spielen eine Schlüsselrolle für unser Nervensystem. Doch während der Markt von Versprechen und teuren Bluttests überschwemmt wird, stellt sich die Frage: Was ist wissenschaftlich fundiert, und worauf sollten wir wirklich achten?
Unser Gehirn besteht zu einem erheblichen Teil aus Fett. DHA ist ein wesentlicher Baustein der Zellmembranen im Gehirn und unterstützt die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen. EPA ist vor allem für seine entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt.
Da chronische, „stille" Entzündungsprozesse heute als Mitverursacher vieler psychischer Beschwerden gelten, bietet Omega-3 hier einen wertvollen therapeutischen Ansatzpunkt.
Stellen wir uns unser Nervensystem als Autobahn vor: Damit Signale – unsere Gedanken, Gefühle und Reaktionen – reibungslos fließen können, muss der Belag geschmeidig und frei von Baustellen sein. Omega-3 ist das hochwertige Material, das diesen Belag instand hält. Der Gegenspieler, der die Fahrbahn oft unbemerkt blockiert: Omega-6.
Es reicht nicht, einfach „etwas mehr" Omega-3 zu sich zu nehmen – seine Wirkung ist untrennbar mit dem Gegenspieler verbunden. Omega-3 und Omega-6 konkurrieren um dieselben Enzyme, um in die Zellen zu gelangen (kompetitive Hemmung). Moderne Ernährung flutet uns mit Omega-6-reichen Ölen (bspw. Sonnenblumen-, und Sojaöl) und hochverarbeiteten Lebensmitteln – die „Tür" zu unseren Zellen ist dadurch dauerhaft besetzt.
Zum Einordnen: Unser Körper ist evolutionär vermutlich auf ein Verhältnis nahe 1:1 ausgelegt. Durch industrielle Landwirtschaft und billige Pflanzenfette liegt das Verhältnis heute im Schnitt bei 15:1, in der westlichen Welt oft bei 25:1. Dieser Überschuss an Omega-6 befeuert „stille Entzündungen", die als eine der Hauptursachen für chronische Erschöpfung, Depressionen und verstärkte AD(H)S-Symptome diskutiert werden. In der Forschung wird ein Zielverhältnis von unter 5:1, idealerweise 3:1, als günstig diskutiert.
Marine Quellen (EPA & DHA) – direkt verwertbar für unser Gehirn:
Fetter Kaltwasserfisch: Makrele, Hering, Lachs, Sardinen
Algen (z. B. Schizochytrium): die ursprüngliche Quelle, aus der Fische ihr Omega-3 beziehen – die ideale vegane Alternative für direktes EPA/DHA
Pflanzliche Quellen (ALA) – Leinsamen/-öl, Walnüsse, Hanf- und Chiasamen. Unser Körper muss ALA erst in EPA und DHA umwandeln – diese Umwandlung ist jedoch stark begrenzt, vor allem bei DHA, wo sie oft im niedrigen einstelligen Prozentbereich liegt. Bei therapeutischem Bedarf (z. B. AD(H)S, Depressionen) reichen pflanzliche Quellen allein meist nicht aus.
Forschende untersuchen den Einsatz von Omega-3 sowohl zur Prävention als auch bei einer Vielzahl von Krankheitsbildern. Da EPA und DHA unterschiedliche Aufgaben im Körper übernehmen, ist das Verhältnis der beiden Fettsäuren zueinander entscheidend für den therapeutischen Erfolg:
Prävention & Gehirnleistung im Alter
Zur Erhaltung der kognitiven Funktionen und der Gehirnsubstanz ist die Versorgung mit den richtigen Baustoffen essenziell.
Verhältnis: Der Fokus liegt primär auf DHA, dem strukturellen Hauptbestandteil der grauen Zellen.
Dosierung: Zur reinen Prävention werden oft 500 bis 1.000 mg (EPA + DHA) täglich als Basisversorgung genannt. Zum Einordnen: Die offiziellen Mindestempfehlungen für Gesunde liegen bei etwa 250 mg täglich.
AD(H)S
Zahlreiche Studien und Meta-Analysen zeigen, dass Betroffene häufig niedrigere Omega-3-Spiegel aufweisen und dass eine Supplementierung Konzentration fördern und Impulsivität mindern kann. Die Effekte sind messbar und nennenswert.
Verhältnis: Ein hoher EPA-Anteil (ca. 3:1 oder höher gegenüber DHA). EPA beeinflusst die Reizweiterleitung und reguliert Entzündungsprozesse im Gehirn stärker.
Dosierung: Studien bei Kindern und Jugendlichen zeigen Effekte oft ab 600 bis 1.000 mg EPA täglich. Bei Erwachsenen wird häufig eine Gesamtdosis von 1.500 bis 2.000 mg (EPA + DHA) untersucht.
Depressionen
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine hohe Zufuhr von EPA die Wirkung von Antidepressiva unterstützen oder leichte depressive Verstimmungen lindern kann. Hier steht die entzündungshemmende Komponente im Vordergrund.
Verhältnis: Ein deutlicher EPA-Überhang (mindestens 2:1) oder sogar reines EPA.
Dosierung: Wirkungen werden meist bei 1.000 bis 2.000 mg reinem EPA pro Tag beobachtet.
Ängste
Omega-3 unterstützt die Regulierung des Stresshormonspiegels und fördert die emotionale Belastbarkeit. Auch hier scheint ein Fokus auf EPA hilfreich, um das überreizte Nervensystem zu beruhigen.
Verhältnis: Ein EPA-betontes Verhältnis (ca. 2:1). Während DHA die Struktur stützt, sorgt der hohe EPA-Anteil für die physiologische „Beruhigung".
Dosierung: Klinische Effekte zeigen sich oft erst bei einer hohen Gesamtdosis von ca. 2.000 mg (EPA + DHA) täglich.
Schizophrenie und bipolare Störungen
Hier wird Omega-3 oft begleitend eingesetzt, um die Stabilität der Zellmembranen zu fördern und die strukturelle Integrität der Nervenzellen zu unterstützen.
Verhältnis: Studien nutzen oft ein ausgewogenes Verhältnis oder einen höheren DHA-Anteil, häufig kombiniert mit moderaten EPA-Dosen.
Wichtig:
Alle genannten Dosierungen sind Richtwerte aus Studien, keine Behandlungsempfehlung. Sie gehören – besonders bei AD(H)S, Depressionen, Ängsten und erst recht bei schweren psychiatrischen Erkrankungen – in die Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt. Eine Supplementierung ersetzt keine ärztliche Behandlung, sondern kann sie sinnvoll ergänzen.
Vielleicht sind wir online oder im Bekanntenkreis schon auf spezielle Bluttests gestoßen, die oft von Firmen im Direktvertrieb (Multi-Level-Marketing) angeboten werden.
Das Versprechen: Ein Pieks zeigt schwarz auf weiß unser Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis.
Das Problem: Viele dieser Tests sind nichts weiter als eine Momentaufnahme – sie spiegeln oft nur wider, was wir in den letzten Tagen gegessen haben. Ein technischer Wert sagt wenig darüber aus, wie belastbar unser Nervensystem tatsächlich ist. Und: Ein hochwertiges Premium-Präparat braucht keinen Vorab-Test, um seine Qualität zu beweisen. Seriöse Anbieter setzen auf Reinheit und Konzentration – nicht auf die Verkaufspsychologie der Verunsicherung.
Das Fettsäuren-Verhältnis ist kein Schicksal, das nur teure Präparate korrigieren können. Zwei direkte Wege stehen uns offen:
Omega-6-Quellen reduzieren: Schauen Sie sich Ihre Küche kritisch an. Raffinierte, billige Öle wie Sonnenblumenöl (welches sich in fast allen industriell verarbeiteten Lebensmitteln wie Keksen, Aufstrichen und Fertiggerichten versteckt) stecken voller Omega-6-Fettsäuren.
Achtung: Sonnenblumenöl versteckt sich heute nicht nur in Fertiggerichten, sondern auch in vielen vermeintlich gesunden pflanzlichen Milchalternativen (wie Hafer- oder Barista-Drinks), um diese cremiger zu machen.
Darüber veröffentliche ich bald einen eigenen Artikel – mehr darüber in Kürze hier auf meinem Blog.
Auch das oft verwendete Rapsöl ist zwar ein Allrounder, sollte aber idealerweise nur kaltgepresst und in Maßen genutzt werden, um das Verhältnis nicht zu verzerren.
Dabei gilt für mich wie immer:
Es geht nicht um Perfektion, sondern um Bewusstsein.
Besonders bei Omega-3-Produkten begegnen uns in MLM-Strukturen oft Sätze wie: „Alles andere auf dem Markt ist eigentlich Schrott oder sogar gefährlich."
Wer wirklich gut ist, hat es nicht nötig, andere klein zu machen – Angst ist ein schlechter Ratgeber beim Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln.
Eine kleine Checkliste für die Entscheidung:
Transparenz statt Angst: Wird mit Fakten (Laborwerten) geworben oder werden andere Marken schlechtgemacht?
Der TOTOX-Wert (Frischegrad): Wird er ausgewiesen? Er sollte idealerweise unter 10, besser unter 5 liegen.
Die Form: Natürliche Triglyceride (TG) statt synthetischer Ethylester (EE)?
Unabhängigkeit: Frei käuflich, ohne Einschreibung in ein System?
Seriöse Fachhandels-Marken kommunizieren ihre TOTOX-Werte transparent, nutzen die hochwertige Triglycerid-Form und kombinieren das Öl mit Polyphenolen aus Olivenöl – oft exakt das, was MLM-Firmen als „Geheimnis" verkaufen, dabei meist zwei- bis dreimal teurer sind. Der Aufpreis fließt ins Provisionssystem, nicht in bessere Qualität.
Vertrauen wir unserem Bauchgefühl. Fühlt sich ein Verkaufsgespräch eher nach einer Warnung vor der „gefährlichen Außenwelt" an als nach fachlicher Beratung, ist Vorsicht geboten.
Ich empfehle, auf etablierte Premiumhersteller wie Norsan oder Sunday Natural zu setzen – transparent, mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, ohne manipulative MLM-Vertriebswege.
Wahre Gesundheit braucht keine exklusiven Clubs – sie braucht Transparenz, gute Rohstoffe und unsere eigenständige Entscheidung.
Warum ich als Heilpraktikerin für Psychotherapie auf die Basis achte
In meiner Arbeit begleite ich Menschen, die ihr inneres Gleichgewicht wiederfinden wollen – mit einem Schwerpunkt auf körperorientierten Methoden. Körper und Psyche sind untrennbar miteinander verwoben: Emotionale Blockaden zeigen sich oft in körperlicher Anspannung, und ein gestresstes Nervensystem erschwert die psychische Genesung.
Nur wenn die biochemische Basis stimmt – wenn die „Hardware" unseres Gehirns gut versorgt ist –, können die Impulse aus der körperorientierten Arbeit optimal verarbeitet werden. Die optimale Versorgung mit Omega-3 ist für mich daher kein isoliertes Ernährungsthema, sondern Teil einer ganzheitlichen psychischen Gesundheitspflege.
Ich verbinde das Wissen um Nährstoffe mit psychotherapeutischen Impulsen zu Themen wie
AD(H)S, Stressregulation und Bindung.
Für die Gesundheit Ihres Nervensystems, die durch liebevolles Verständnis wächst.
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