RAMONA WEGELE | BLOG
Heilpraktikerin für Psychotherapie
RAMONA WEGELE | BLOG
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Lesezeit: ca. 5 Minuten
Kakao ist gerade überall – bei Tanz-Events, Retreats, in der spirituellen Szene. Er gilt als „Medizin", als Herzöffner, als sanfte Alternative zum hektischen Kaffee-Kick.
Das hat mich neugierig gemacht: Was macht Kakao eigentlich mit unserem Nervensystem?
Kaffee aktiviert direkt unsere Stressachse. Koffein blockiert im Gehirn das Signal, das uns eigentlich sagt: Wir sind müde. Fällt diese natürliche Bremse weg, feuern andere Botenstoffe ungehemmt, die Nebennieren schütten Cortisol und Adrenalin aus. Wir fühlen uns wach – zahlen aber mit geliehener Energie. Das Ergebnis ist oft ein scharfer Fokus bis hin zum Tunnelblick, dazu innere Unruhe.
Kakao enthält zwar auch etwas Koffein, sein Hauptwirkstoff ist aber Theobromin – deutlich sanfter und langanhaltender, gefäßerweiternd und entspannend auf die glatte Muskulatur. Das Gefühl der „Herzöffnung" ist also keine Einbildung, sondern Physiologie.
Dazu kommen zwei Inhaltsstoffe, die mich als körperorientiert arbeitende Therapeutin besonders interessieren:
Magnesium. Kakao gehört zu den magnesiumreichsten Lebensmitteln überhaupt. Schon eine moderate Portion von 20 g reinem Kakaopulver liefert rund 90 mg – etwa ein Viertel des Tagesbedarfs, vergleichbar mit einer Handvoll Mandeln oder zwei Bananen. Magnesium hilft unserer Muskulatur, Anspannung loszulassen.
Anandamid. Der Name leitet sich vom Sanskrit-Wort für „Glückseligkeit" ab. Kakao enthält Spuren davon sowie verwandte Stoffe, die den Abbau unseres körpereigenen Anandamids verlangsamen – es bleibt also länger aktiv und unterstützt Gelassenheit und Präsenz.
Zusammen ergibt das eine ungewöhnliche Kombination:
Sanfte Wachheit bei gleichzeitiger körperlicher Entspannung. Genau dieser Zustand macht es leichter, im Window of Tolerance zu bleiben – wir können fühlen, ohne vom Gefühl überwältigt zu werden.
Kakao ist eine hochwirksame Pflanze. Werden die Dosen zu hoch oder der Konsum zu regelmäßig, kann das auch nach hinten losgehen.
Eine zeremonielle Dosis (ca. 30–40 g) enthält zwar weniger Koffein als Kaffee, in der Summe mit dem Theobromin ist es aber eine kräftige Stimulation. Für ein bereits erschöpftes Nervensystem oder bei Angstthematiken kann das zu viel sein.
Dazu kommt:
Kakao enthält selbst reichlich Histamin und kann gleichzeitig das Enzym hemmen, das Histamin abbaut. Herzrasen, Schlafstörungen oder Migräne sind die Folge – Symptome, die manchmal als „energetische Reinigung" gedeutet werden, physiologisch betrachtet aber schlicht körperlicher Stress sind. Der Begriff „Kakaokater" trifft es aus meiner Sicht ziemlich gut.
Damit sind wir beim Kern. Die Frage ist nicht, ob Kakao herzöffnend oder Stress für unser Nervensystem ist – sondern:
Habe ich gerade wirklich Kapazität für diesen Moment? Oder leihe ich mir mit dem Kakao Energie von morgen, weil ich eigentlich erschöpft bin und Ruhe bräuchte?
Trinke ich meinen Kakao wie viele Menschen Kaffee trinken? Um mich wacher, energiegeladener oder glücklicher zu fühlen? Oder lasse ich mich bewusst auf diesen Kakaomoment ein? Liebevoll, achtsam, neufreudig und forschend mit der Frage: Was möchte mir die Pflanze erzählen? Sich wirklich auf den Dialog einlassend.
Wenn wir einen Schmerz, eine Traurigkeit oder eine Erschöpfung mithilfe des Kakaos umgehen wollen, ist das nicht mehr Selbstfürsorge, sondern klassisches Bypassing – Vermeidung. Und dann betreiben wir Raubbau am eigenen System.
Ich kenne das selbst nur zu gut – auch für mich ist das ein Lern- und Forschungsfeld, und ich versuche immer wieder aufs Neue, ehrlich reinzuspüren: Was ist jetzt wirklich dran?
Der Kakao öffnet uns möglicherweise eine Tür – doch die Weite, die Wärme und die Präsenz entstehen in uns selbst. Diese Rückbesinnung auf die eigene Kapazität, innere Räume weiter werden zu lassen, ist für mich wirklich kostbar. Und bevor ich mir einen Kakao zubereite, spüre ich in mich hinein: Was ist gerade wirklich dran? Habe ich den Raum dafür oder brauche ich eigentlich eine Pause?
Mir geht es darum, mich wirklich auf einen Dialog einzulassen. Von: Ich konsumiere, um eine Wirkung zu erzielen. Zu: Ich lasse mich auf das ein, was diese Pflanze mir erzählen möchte.
Wenn wir von Kakao als „Heilpflanze" sprechen, meinen wir meist die Wirkung auf uns. Dabei hat diese Pflanze einen weiten Weg hinter sich, bevor sie bei uns landet – auf dem konventionellen Markt oft geprägt von Ausbeutung, Kinderarbeit und Naturzerstörung.
Kann eine Heilpflanze ihre volle Kraft entfalten, wenn sie mit Leid aufgeladen ist?
Für mich sind ökologische Nachhaltigkeit, Fairer Handel und Transparenz der Vertriebswege sehr wichtig.
Samstags 12–17 Uhr, Rosenstraße 2a.
Ava hat mit ihrem Cacao Haus in Weßling einen Ort geschaffen, an dem genau das gelingt, wonach ich mich sehne, wenn ich von Kakao spreche:
Ein wundervoller Ort für eine Auszeit und für Begegnung. Zur Ruhe kommen ist ebenso willkommen wie gemeinsames Musizieren und Austausch.
Sie bereitet dort ihre Kakaosorten liebevoll zu. Die Einladung ist immer „Come as you are“ – es gibt nichts darzustellen. Alle sind willkommen, so wie sie sind – mit allem, was gerade präsent ist.
Zwei ihrer Sorten importiert sie sogar direkt und ohne Zwischenhändler aus fairen Projekten:
Der Sacred Lava stammt aus dem Polochic-Tal in Guatemala, wo 177 Familien der Maya Q'eqchi' in der Kooperative AJ ASIPASM ihren Kakao im Schatten eines lebendigen Waldes anbauen, vor Ort verarbeiten und das Dreifache des Weltmarktpreises erhalten.
Der avaCao Shiva stammt aus den Anden von Cusco in Peru. Die Chuncho-Bohnen werden im Sacred Valley biologisch angebaut und von den lokalen Farmern des Syntropic Jungle Care Projects traditionell verarbeitet.
Genau diese Art von Nähe zur Quelle macht den Kakao für mich über die reine Wirkung hinaus zu einer herzöffnenden Medizin.
Ich verbinde das Wissen um Nährstoffe mit psychotherapeutischen Impulsen zu Themen wie
AD(H)S, Stressregulation und Bindung.
Für die Gesundheit Ihres Nervensystems, die durch liebevolles Verständnis wächst.
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